Vergessene Legenden II - Vermächtnis eines Helden

Geliebte Mutter, liebster Vater,

seit ich mich mehr mit der Magie denn der Alchimie befasse, gibt es auf Reisen wesentlich mehr zu tun. Magier scheinen viel mehr gebraucht zu werden. Fast bedaure ich, das geruhsame Leben hinter Tiegeln und Töpfen aufzugeben.
Der Jareswechsel, der eigentlich geruhsam und friedlich hätte verlaufen sollen, war denn auch turbulenter, als wir erwartet hatten. Ihr hattet recht, mich nur in Begleitung reisen zu lassen. Eine Frau ist so viel sicherer.
Doch lasst mich von vorne anfangen.
Wir, das sind Paseo, sein - ich sage mal - Betthupferl Carmen, Krümel, Hildebrand, Abrax zu Feuerstein und ich, reisten von Mira aus gen Norden. In der Au stießen unter anderem der Kämmerer der Gilde Yasir Shabbaz mit einer etwas verwirrten Kollegin Letitia zu uns. Weitere Gildenmitglieder und uns bereits bekannte Reisegefährten folgten. Man glaubt kaum, wen das Vermächtnis Heldriks alles angezogen hat.
Leider hatte es, ausser seiner sechs Heldengefährten auch seinen alten, im Exil lebenden Vater und dessen Frau Celest angezogen. Die beiden hatten - wie wir später herausfinden sollten - vor einigen Jahren ale Kinder der Au entführt und zu einer privaten Armee ausgebildet, um zu diesem Zeitpunkt die Au für sich zurück zu erobern.
Nun, da hatten sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ich werde mich allzu tief ins Detail gehen. Nur soviel: Die Silbermondgilde hatte sicherlich einen Anteil daran, dass dieses Werk vereitelt wurde.
Ebenso bemühten sich alle, das ungewöhnliche Erbrecht der Au zu einem Erfolg zu machen.

Ihr müsst wissen, in der Au ist es üblich, dass das letzte Kind, das im Todesjahr des letzten Herrschers geboren wird, der neue Regent wird. Bis zur Volljährigkeit verwaltet der Vater oder ggf. die Mutter das Land.
Obendrein gibt es hier ein Phänomen, dass zu Jahresende zwei "Funken" in die Welt treten und in ein Neugeborenes Kind einfahren. Der eine ist ein "guter" Funken, der das Kind zum Helden macht, der andere ein "böser" der einen Antihelden bewirkt. Nur ein Funken kann zur Zeit in der Welt sein und der gewinnt das Rennen, der durch die Taten der Umgebung einen Vorteil hat. Sind die Au-Bewohner also das Jahr über "gut", so werden sie einen Helden bekommen, sind sie schlecht, dann einen Despoten. So bekommt wohl hier wirklich jede Generation den Herrscher, den sie verdient.

Krümel kümmerte sich rührig um eine Maschine, die den falschen Funken einfangen könnte. Leider letztendlich ohne Erfolg. Dennoch gewann - wenn auch knapp - der gute Funke und - soll ich sagen "befruchtete" - die neugeborene Eliana, Kind von Katharina und Justus Jandraß.

So nahm, auch dank der dauerhaften Präsenz vieler wehrhafter Helden vor Ort, das Ganze noch eine gute Wendung. Leider war ich am letzten Abend so ereschöpft, dass ich früh zu Bett ging und die Feier nicht recht genießen konnte.

Aber Ihr seht, Ihr musst Euch um mich keine Sorgen machen. Ich bin wohl behütet im Kreise der Gilde.

Ich wünsche Euch alles Gute zu neuen Jahr und Glück und Zufriedenheit.
In Liebe

Eure Tochter Ariella