Der Preis der Macht

22.-24.11.02

 

Sehr verehrter Herr Ben Nappo,

zu unser beider Glück kann ich berichten, dass ich Euch Euren Lehrling Krümel - Verzeihung - Vertex weitgehend unversehrt zurückbringe. Das ist aber auch schon das einzig Positive, was ich zu berichten habe.
Schon die Art, wie Ihr Krümel zu mir geschickt habt, ist ungeheuerlich. Es mag ja noch angehen, dass Ihr einen alten Postgaul billig vom Abdecker kauft und Krümel darauf festbindet, aber sucht mir das nächste Mal einen Gaul aus, der vor meinen Kutschpferden zu bremsen in der Lage ist. An dieser Stelle wurde meine meergrüne Reiserobe verschmutzt. Die Reinigungskosten beliefen sich auf 3 Kupfer.

Nach unserer Ankunft im Internat der Gilde setzten die Formalitas ein. Ich selbst wurde ob meiner schwächlichen Konstitution leider nicht zum Wettbewerb zugelassen, Krümel jedoch wurde an Eurer Statt aufgestellt. Leider war ich deshalb nicht immer in der Lage, ihn zu beaufsichtigen, vor allem, weil mir konsequent von Seiten der Gildenführung unehrenhafte Manipulation vorgeworfen wurde. Und das auch noch von Hoppenstädt, der selbst eifrig und ständig mit Herrn Grauwetter Informationen tauschte. Als ob Krümel je irgendeinen Rat von mir angenommen hätte! Gleich in der ersten Runde verursachte Euer Lehrling eine gewisse Unruhe und leichte Gereiztheit beim Lehrkörper, indem er seine Fragen durcheinander brachte und die farbigen Bändchen vertauschte.

In der zweiten Runde, die noch am selben Abend begann, stahl er eine kleine Fee aus einem Eisenkäfig. Um die Ereignisse vorwegzunehmen, er verlor die Fee (zunächst an unseren langfingerigen Gefährten Hildebrand, zum zweiten Mal dann endgültig, als er völlig naiv und vertrauensselig an Versprechungen anderer Magier glaubte).

Weiterhin verlor um ein Haar seinen rechten Arm, als er in das Aquarium eines Zwergleviatans faßte, wovor ich ihn gerade vorher ausgiebig gewarnt hatte. Das ruinierte meine blaue Gildenrobe, die wir zum Einfangen des Leviatans brauchten, sowie meine lindgrüne Arbeitsrobe. Nebenbei mußten die Ehrenschärpen von Hildebrand und Krümel selbst als Verbände herhalten, was ihrer Farbe allerdings nur zuträglich war.

Wahrscheinlich hat mich all das bereits so mitgenommen, dass die eiskalte Berührung eines Geistes es mir schwarz vor Augen werden ließ. Die Reinigungskosten für die beiden Roben belaufen sich auf 8 Kupfer.

Erstaunlicherweise verlief der nächste Morgen vergleichsweise ruhig. Dass Krümel sich bei keiner Malzeit zu benehmen weiß, muß ich hier wohl nicht gesondert erwähnen.

Ich verbrachte meine freien Stunden mit einigen sehr interessanten Vorlesungen am Morgen. Man behandelte die Kunst der Kabbala, sowie den Sexualdimorphismus der Goblinoiden. Finger Eisenhand hielt anschließend einen Vortrag über die praktische Anwendung der Kampfmagie, bei der einige Übungen einflossen.

Im Anschluß daran hatte ich einige sehr interessante Gespräche mit einigen der Gäste. Das Ansehen der Silbermondgilde scheint mir beinahe auf einem Tiefpunkt angelangt zu sein. So berichtete man mir von Anekdoten, die sich der Erzkanzuler wohl geleistet hat, und die uns sowohl zum Gespött der Gemeinschaft der Zauberer machen als auch der Gilde den Ruf unübertrefflicher Arroganz kombiniert mit Inkompetenz verschaffen. Ich weiß nicht, ob Euer Weg der richtige ist, wenn Ihr betont, Angst und Respekt vor Magiern seien Schwestern und müßten gemeinsam genährt werden. Die Leute, mit denen ich sprach, schienen weder das eine noch das andere zu verspüren.

Der Nachmittag sollte von den Kontrahenten im Wettstreit genutzt werden, um eine Strategie für die letzte Runde auszuarbeiten. Dabei würden sich die Teilnehmer in einem Labyrinth einer Reihe von Kreaturen gegenübersehen, die es zu besiegen galt. Ich gebe zu, Krümel führte diese Vorbereitungen mit viel Engagement durch, jedoch war die Ausführung oft zwischen lächerlich bis gemeingefährlich anzusiedeln. Sich einen Topf aus der Küche als Helm gegen die Kräfte eines Mentalisten zu besorgen mag ja noch angehen, auch wenn es absolut würdelos aussieht. Auch würde ich ihm nicht verwehren, mit Wurstbroten nach Ratten zu werfen. Dass er jedoch eine nicht benötigte Käsescheibe in der Tasche meiner smaragdgrünen Robe versteckte ist unverzeihlich. Reinigungskosten;: 4 Kupfer.

Die wirklich haarsträubende Geschichte jedoch (dunkelgrüne Robe, 4 Kupfer) war Krümels Vorstellung von einer adäquaten Ablenkung für Ghule. Hierzu begab sich dieser verantwortungslose, geistig minderbemittelte und von Euch nur mangelhaft erzogene Rotzbengel auf den örtlichen Gildenfriedhof und grub einen - die Götter stehen uns bei - halbverwesten Leichnam aus, den er in unserem Schlafgemach zu verstecken gedachte. Um den unerträglichen Gestank zu verdecken leerte er mein teuerstes Parfum über Leiche und Zimmer aus. (Kosten für das Parfum: 3 Silber).

Während seiner Grabungsarbeiten verpaßte Krümel zu allem Überfluß den Abgabetermin für die letzte Aufgabe und wurde daher in der Endrunde nicht zugelassen. Also verbrachte er den Leichnam zwar wieder in sein Grab, bedeckte ihn aber nur mit einigen Hand voll Erde. Als er mir dies beichtete, sorgte ich dafür, dass er das Grab ordentlich wieder herstellte und zumindest die allerwichtigsten Spuren verwischte. Dabei bespritzte er mich mit Erde. Reinigungskosten siehe oben.

Während der Endrunde des Wettstreites konnte ich Euren Schützling glücklicherweise im Auge behalten. Die Zuschauer wurden auf Bankreihen an zwei Wänden eines Saales plaziert, von wo aus sie gute Sicht auf alles Geschehen hatten. Zu den sehr unterhaltsamen Kommentaren von Konrektor Bertholt Dernsten, dem süffisanten Grinsen Finger Eisenhands und den anfeuernden Rufen der Kastorschen Fankurve mußten die Finalisten ihren Weg durch das Labyrinth vorbei an erwähnten Kreaturen erkämpfen.

Wohl die einzige Panne, für die Krümel meines Wissens nach nicht verantwortlich war, ist ein böser Streich, der den Sieger des Wettstreites, Magister von Hoppenstädt, ereilte, als er den Preis an sich nehmen wollte. Die Kiste, in der sich der Preis befand war mit einem Teleport versehen worden und katapultierte den Thaumaturgen direkt in den Gildenkeller, vor die untoten Füße des Magisters für Nekromantie.

Dann allerdings ließ ich Krümel nur eben mit Libby Gassi gehen (Ihr erinnert Euch, die angehende Riesenspinne, die der Erzkanzler aus Gutingy anschleppte und die vor wenigen Tagen schlüpfte), denn das Tier mußte ja mal raus. Insbesondere nach der unseligen Geschichte, bei der die arme kleine Fee nach ihrer Mißhandlung durch Krümel bei Libby eingesperrt worden war. Natürlich mußten wir der Spinne ihre Beute wieder abnehmen, was Libby ziemlich verstörte. Sie spuckte sogar nach mir. Reinigungskosten für die silber-grüne Robe: 4 Kupfer). Nur wenige Augenblicke später kam Krümel aufgelöst zu mir (warum kommt Krümel eigentlich immer zu mir?!?!?) und behauptete, die Spinne habe sich losgerissen. Zwar hat sich Libby inzwischen - nach wenigen Tagen wieder eingefunden, aber wir haben Grund zu der Vermutung, dass sie nicht nur für das Verschwinden einiger Schüler verantwortlich ist, sondern auch mehrere Eier in der Nähe der Schule gelegt hat.

Wir konnten größere Schwierigkeiten vermeiden, indem wir kurz nach Eintreffen des Erzkanzlers schleunigst abreisten.

Ich gebe diesen Brief Krümel für Euch mit, in der Hoffnung, dass er ihn nicht auch noch verliert. Es versteht sich von selbst, dass diese Informationen nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollten, um das Ansehen der Gilde nicht noch weiter zu ruinieren.

Für die prompte Begleichung der Unkosten, die mir Krümel verursacht hat, bedanke ich mich im voraus.

Ariella Beatrice Freifräulein von Rabenhorst

PS: Wißt Ihr zufällig, wie hoch die Einfuhrzölle für giftige Riesenspinnen in Ost-Falkenberg im Moment sind? Seine königliche Majestät Eldalin IV bat mich für eine adäquate Besetzung der Arena zu sorgen.