Newrast-Aqualonde 1

12.-15.07.2001 Pfadfindergelände Lilienthal bei Karben

Nach Tagen ermüdenden Wanderns auf der gerade neu eröffneten Handelsstraße nach Norden, waren wir letztlich aus Aelm-Arthosia heraus und näherten uns dem letzen befestigten Handelsposten. Kurz vorher allerdings mußten wir schon mit Erschrecken den grausigen Geruch wahrnehmen, der uns aus Richtung des Lagers entgegen schlug. Es bot sich uns bei unserer Ankunft ein schrecklicher Anblick. Die gesamte Vorhut war aufgerieben worden, die Leichen verwesten auf den Wegen wo sie gefallen waren. Nur eine einzige Seele war übrig geblieben, jedoch redete er wirr und war mehr tot als lebendig.

Den Rest des Abends verbrachten wir mit der Verbrennung der Leichen und Aufräumarbeiten. Man wies mir das Zelt dreier Magier zu, Baron Aaron, Paseo und Hildebrandt, die mich dankenswerter weise aufnahmen und unter ihren Schutz stellten.

Bereits kurz nach Einbruch der Dunkelheit begannen die aufgestellten Wachen Alarm zu geben. Trolle kamen aus dem Sumpf in das Lager gestürmt und mußten zurückgeschlagen werden. Am nächsten Morgen widersprachen sich die Aussagen. Auch von Schattenwesen war die Rede, zwei Meter hoch und mit leuchtend roten Augen. Niemand konnte jedoch eine Leiche dieser Wesen vorweisen, während die Trolle doch recht real und zum Teil auch recht tot waren.

Ich nutzte den Vormittag um mich in dem Lager ein wenig zu etablieren. Meine eigenen Schriftkenntnisse tauschte ich mit Bruder Callidor Theban gegen die Schrift der Mittellande und des Ostens. Auch brachte er mir das Spiel der Könige nah, das ich leider trotz tatkräftiger Unterstützung haushoch verlor.

Alana vom Elfenmoor kam am Nachmittag mit der Nachhut an und ich verbrachte einen Teil des Tages mit ihr und Myrna beim Kräutersammeln. Leider mußten wir feststellen, daß unsere Kräuterkenntnisse hier nicht sehr viel nutzten, war die Fauna doch anders als bei uns zuhaus. Des Abends konnte ich beiwohnen, wie die Magier ein Ritual vollzogen, daß den drei Hexen ihre magischen Fähigkeiten wieder zurückgeben sollte. Eigentlich waren sie den alten Frauen gegenüber nicht sehr freundlich zu sprechen gewesen, aber ich nehme an unter dem Druck der Gruppe mußten sie sie dann doch von ihrem Fluch befreien.
Ich selbst wohnte dem Ritual in der Arena bei, um gegebenenfalls Verletzte in Empfang nehmen zu können.
Es stellte sich heraus, daß ein Dämon der Pestilenz sich ihrer bemächtigt hatte. Es gelang zwar, ihn zu bannen, doch schleuderte er einen Ring in unsere Welt, vermutlich um sich ein Tor zu schaffen.
Nachdem die Hexen gerettet waren, nahm sich Paseo des Rings an, desinfizierte ihn mit Alkohol in meinem Kessel (den ich ärgerlicher weise erst Tage später zurückerhielt) und schwört, er habe ihn adäquat entsorgt. Ich hoffe, das stimmt. Paseo machte einen sehr kompetenten Eindruck. In dieser Nacht schliefen wir wieder schlecht. Die Schatten griffen an, stärker als je zuvor, und die Krieger hatten zu tun, unsere Sicherheit zu gewährleisten.

Am folgenden Morgen hätte es friedlicher nicht sein können. Das Lager war ruhig, wir hatten keine Verluste zu verzeichnen. Schon Tags zuvor hatte man versucht eine dem Lager angrenzende alte Ruine zu öffnen, jedoch ohne viel Erfolg. Zum einen brauchte man dafür einen Schlüssel, der im Besitz der Tiermenschen war. Diese waren erbost als wir ihn von ihrem Altar entwendeten. Zum anderen fand sich hinter der steinernen Tür eine magische Barriere, deren Rätsel noch nicht gelöst worden war. An diesem Tage schmiedeten die Magier zusammen mit dem Schmied einen weiteren Schlüssel, der laut einer Weissagung die dritte Tür öffnen sollte.
Eigentlich hatte ich vorgehabt, mit meinem neu erworbenen Kräuterwissen eine Exkursion zu starten, doch im Wald tobte erneut eine Schlacht mit den Tiermenschen. Krieger sind so rauhe Gesellen. Immer schlagen sie erst zu, statt mit dem Gegner zu verhandeln. Jedenfalls wurden wir Heiler reiflich ausgelastet. Unter Einsatz unsres Lebens hasteten wir übers Schlachtfeld und versorgten die Wunden bis uns die Verbände und die Tränke ausgingen.

Die Tiermenschen wurden unter schweren Opfern besiegt. Als wir ins Lager zurück kamen waren auch die Magier erfolgreich gewesen. Sie hatten endlich die magische Barriere der Ruine aufgebrochen und konnten sich nun dem Rätsel der dritten Tür widmen. Wieder waren meine Stärkungstränke begehrter, als ich sie nachproduzieren konnte.

 

Völlig erschöpft ließ ich mich dann auch bei Einbruch der Dämmerung mit Baron Aaron, dem Überlebenden der Vorhut (der sich erstaunlich gut erholt hatte) und Lady Auriel in den Badezuber sinken. Leider war uns nur ein kurzes Bad vergönnt, denn wieder griffen die Schatten an. Ich muß sagen, dort, wo ich sie zum erstenmal nahe bei mir sah und direkt von ihnen bedroht war, kamen sie mir noch weit schrecklicher vor. Riesig wirkten sie, und alles an ihnen war schwarz. Nur ihre Augen glühten wie zwei feurige Kohlen in der Dunkelheit.

Wir schafften es mit knapper Not aus dem Badehaus und durch die Reihen der Schildträger und Kämpfer, die sich vor der Taverne verschanzt hatten. Tapfer verteidigten sie die Wehrlosen und Verletzten. Wenn ich nicht gerade zum Nähen oder Verbände Wickeln gebraucht wurde, sang ich mit den anderen draußen mit dem Barden. Die Lieder gaben unseren Kriegern Kraft und Mut und schienen die Schatten zu schwächen und zurückzuhalten. Wir sangen aus vollem Halse, was uns einfiel.

Dann plötzlich, wie aus heiterem Himmel, tat es einen Knall und Rauch stieg überall auf. Die Magier hatten letztendlich den armen Geist befreit, den die Schatten in der Ruine gefangen hielten und bewachten. Die Schattenwesen verschwanden in Rauch, die Schlacht war geschlagen!

Den Rest der Nacht feierten wir in der Taverne, sangen und tranken, was der Schankwirt hergab und gingen erst zu Bette, als der Morgen graute. Die Straße nach Norden ist nun ein ganzes Stück weiter geöffnet und wir sind stolz, dabeigewesen zu sein.

Myr Aelyn Ravencloth

 


 

Ballade von den Schatten