Im Zeichen der Ehre

16.11.1001
Meine erste große Reise mit der Gilde! Ich bin so aufgeregt! Vor ziemlich genau drei Monaten hat Makhtub, mein Lehrmeister und Hofalchimist meines Vaters, das Empfehlungsschreiben an die Silbermondgilde nach Kranichfeld geschickt. Kurz darauf durfte ich mich Magistra Elysianne vorstellen und wurde als Adeptin aufgenommen, und jetzt bin ich schon in ihrem Auftrag (sie ist leider verhindert) mit dem Erzkanzler Ambrosius Graufuchs, Magister Hoppenstett, Magister Nonam, Magus ben Nappo, Adept Kastor und Adept Thyndal auf eine Königliche Hochzeit eingeladen. Endlich komme ich mal raus!

Wir sind auf Burg Beilstein angekommen und haben ein sehr schickes Zimmer mit Erker bezogen. Das höfische Leben rauscht hier regelrecht an einem vorbei. Obwohl dem Herold bekannt gewesen sein sollte, dass zumindest einige von uns von Stand sind, wurde die Gilde (bis auf den Erzkanzler) in dieser Hinsicht geflissentlich ignoriert. Nun, das eröffnet uns des Abends wenigstens den Aufenthalt in der Gesindetaverne. Trotzdem denke ich, dass auch die bürgerlichen unter uns sich in den Gildenroben durchaus als von Stand fühlen dürfen. Immerhin repräsentieren wir die Macht Kranichfelds.

17.11.1001
Die Hochzeit am Morgen war ergreifend. Hinter mir hörte ich sogar einige Schranzen schluchzen. Ich glaube kaum, dass es sich hierbei um eine Liebeshochzeit handelt (noch, dass irgendwer von klarem Geiste dieser Ansicht gewesen sein kann), doch die Brautleute wirkten zumindest nicht unglücklich.

Am Tage begab ich mich mehrfach auf die Suche nach dem Hofalchimisten Seiner Majestät von Namen Spühlstein-Tiegelhirt. Abgesehen davon, dass sein Ruf legendär ist, glänzte er eher durch Abwesenheit. Dadurch jedoch wurden mehrfach Leute auf mich aufmerksam und gaben mir verschiedenste Edelsteine zwecks Bestimmung. In einem Fall handelte es sich um halbedle Schmucksteine, im anderen um sage und schreibe einige Dutzend Brillianten verschiedenster Größe und Couleur. Über die Bezahlung konnte ich mich nicht beschweren.

Am Abend übergaben wir das Geschenk der Gilde. Kastor hatte ein Automaton ausgegraben und mit Hilfe der Gildenmagier reaktiviert. Wir übten einige Stunden lang, um eine Aktivierungssequenz als kleines Ritual einzustudieren. Die Herren Magier sprachen sich einhellig gegen einen Schutzkreis aus, doch zum Glück war das nicht nötig. Der Bräutigam freute sich wie ein Kind über eine Spielzeugarmee, die Braut war eher eingeschüchtert, so schien mir, vor allem von der Vorstellung, die Kreatur möge ihre Kinderstube bewachen.

Die politischen Verhandlungen, die die Gilde führte, scheinen auch von Erfolg gekrönt gewesen zu sein, so dass unser werter Kanzler größtenteils guter Laune war. Des Abends fand noch Tanz und höfisches Leben statt. Es war sehr erbaulich.

18.11.1001
Vor unserer Abreise erfuhren wir noch gerüchteweise, der Bräutigam von Burgund sei seinen ehelichen Pflichten nicht in dem Maße nachgekommen, wie man wohl erwartet hätte. Das scheint Auswirkungen auf den Ehevertrag zu haben... nun, die hohe Politik ist mir noch zu fremd, als dass ich das beurteilen könnte. Heute reisen wir nach Kranichfeld zurück und ich muss noch einen Bericht für Elysianne anfertigen.

Ariella Beatrice von Rabenhorst