Güldenhain III - Aufschrei der Geschichte

23.08.-26.08.2001 Zeltplatz Nothgottes bei Rüdesheim

15. Tag des Beerenmondes
Ich hatte Glück. Von meinem Geld konnte ich mir ein altes Pony kaufen und bin jetzt schon über die Landesgrenze Wenzingens hinaus. Ich habe meine Kleidung verändert und den alten angeländischen Akzent wieder angenommen, den ich solche Mühe hatte abzulegen. Ich reise wieder als Myr Aelyn und keiner wird die Zigeunerin Esmeralda in mir vermuten.

17. Tag des Beerenmondes
Verdammt! Der altersschwache Gaul ist unter mir zusammengebrochen. Von jetzt an geht es wieder zu Fuß weiter und ich habe nur noch ein paar Kupfer. Ich hörte von einem Fest zur 800-Jahr-Feier Falkoniens. Wenigstens liegt das so weit von Wenzingen weg, daß ich nichts mehr befürchten muß. Wenn ich stramm marschiere, schaffe ich es bis dahin.

22. Tag des Beerenmondes
Verdammt, verdammt und dreimal verdammt! Hier in der Wildnis treffe ich ausgerechnet auf einen Wenzinger Edlen, Friedrich, und seine Heilerin Tanit. Die beiden hätten mich fast enttarnt. Ich konnte sie gerade so überzeugen, daß die Esmeralda, die sie kennen, meine Cousine ist. Hätten sie je die echte Esmeralda kennengelernt, wüßten sie, daß die Ähnlichkeit nur halb so groß ist, aber so glauben sie mir. Friedrich bot mir sogar seinen Schutz an. Er ist ein Ehrenmann, wie er im Buche steht. Naiv, aber ein Ehrenmann. Natürlich biete ich ihm dafür meine Dienste als Heilerin kostenlos. Er ist ein guter Kerl. Leider habe ich den beiden erzählt, ich sei nach "meiner Esmeralda" auf der Suche. Wie dumm von mir. Jetzt nehmen sie mich mit zurück nach Wenzingen und ich habe keine Möglichkeit, ihnen das auszureden.

23. Tag des Beerenmondes
Wir sind in Güldenhain eingetroffen. Das Lager brummt vor Aktivität, doch statt wie erwartet vom ansässigen Ritter begrüßt zu werden, spricht ein nervöser Heiler zu uns von Kotzebachwasser und seltsamen Vorkommnissen. Von Feierlichkeiten keine Spur. Wilde Gerüchte kursieren. Untote sollen gesichtet worden sein, ein Komet sei heruntergekommen, in blauem Feuer, und alle Gaukler sein wieder abgereist, weil sie Angst hätten, bis auf Schattentantz, eine furchtlose Truppe, die sogar Dämonen noch den Marsch blase.
Die Bewaffneten organisieren eine Nachtwache. Einige Male werden sie von eigenartigen Elementaren angegriffen, doch wir erleiden keine Verluste.

24. Tag des Beerenmondes
Am Morgen hing an meinem Zelteingang ein Gedicht. Der Poet Esthjal, der neben uns sein Lager hat, verriet sich durch sein breites Grinsen. Seitdem weicht er mir nicht mehr von der Seite. Soll mir nur recht sein. Erstens streicheln seine Worte meine Seele, zweitens brauche ich gegen Wenzingen jede Unterstützung die ich kriegen kann.
Ich weiß inzwischen, daß der Haufen Frankonen, die mitten durchs Lager eine Palisade ziehen und sich von allen abgrenzen, ein feiger Haufen ist. Auf dem Weg zum alten Magier-Turm lassen sie uns mit dem Sumpfelementar allein und geben Fersengeld. Torgal der Thorwaler muß beinahe dran glauben. Zum Glück habe ich darauf gedrungen, daß wir die Artefakte alle mitnehmen. Unsere Helden hätten am liebsten alles dagelassen, nur weil so ein Schlammwesen meint, was begraben ist, solle begraben bleiben. Wo kämen wir denn da hin?
Den Rest des Tages beschäftigen wir uns mit der Entschlüsselung der Tagebücher, Papiere und Rätsel, die wir im Turme fanden. Wir haben bereits fast alle Elementarkugeln zusammen.

Am Abend spielt uns tatsächlich Schattentanz auf. Die wenigen Tänzer unter unseren Mannen und Mägden haben ihren Spaß, spätestens bei der Chappeloise.
Auch als die Elemente wieder angreifen, spielt Schattentantz "Der Tod hat mich noch nicht gewollt". Wenigstens dieses Gerücht stimmte wohl. Unsere Krieger treiben sie darauf aus dem Lager.

25. Tag des Beerenmondes
Wir haben kaum geschlafen. Dennoch hängt an diesem Morgen ein Strauß Feldblumen an meinem Zelteingang. Die Lage spitzt sich zu. Uns fehlt zum Zusammensetzen des Artefaktes noch eine Kugel. Das Wasserelementar hat sie. Esthjal und ich versuchen ein Ritual, das uns den Weg weisen soll. Es weist den Bach hinauf. Als wir jedoch in Richtung Quelle wandern, hat bereits ein Kobold gefunden, was wir suchen. Er ist bereit, es uns zu überlassen, wenn wir für ihn singen und tanzen. Nun, mir kann es ja egal sein, aber den Kriegern und auch Getarin und Eron, dem Feuer- und dem Wasserpriester, mußte ich hoch und heilig versprechen, daß unsere kleine Schaueinlage nie bekannt wird.

Des Nachts setzen die Angriffe wieder ein. Esthjal und ich werden im Wald überrascht und flüchten. Mich erwischt ein Feuerelementar zwischen den Zelten, Esthjal entkommt in den Wald und taucht erst am nächsten Morgen wieder auf. Soviel zu "Ich rette Euch holde, Maid". Ha!
Ich kann mich mit meinem letzten Heiltrank retten. Kurz darauf kommen Eron und Skorthax aus dem Portal zurück und wir setzen endlich das Artefakt zusammen. Ausgerechnet mich stecken sie in einen Ritualkreis! MICH! Zum Glück sind nur Kleriker anwesend. Bei diesen Magietheoretikern schlafe ich immer ein. Den einzigen arkanen Magier, der noch die Energie aufbringt, nutzen wir lediglich als Blitzableiter, aber es passiert gar nichts Schreckliches.
Nach einigen Fehlversuchen gelingt es Ian, den Dodekaeder mit allen Kugeln zu bestücken. Das Stasis-Feld greift, in Güldenhain ist das Gleichgewicht der Elemente wieder hergestellt. Dennoch ist niemandem so recht zum Feiern zumute. Die Toten müssen geborgen werden, die Verletzten versorgt. Unsere Verluste sind groß.
Erst, als sich der Himmel schon wieder blau färbt, sitzen wir in der Taverne zum Grünen Drachen zusammen und singen.

26. Tag des Beerenmondes
Zeit für die Abreise. Friedrich besteht darauf, mich nach Wenzingen zu begleiten. Er kauft für Tanit und mich zwei Esel, damit wir wenigstens annähernd mit seinem Schlachtroß mithalten können. Ich muß mich aller Giftkräuter und auch des Trankes entledigen, bevor ich die Grenze überschreite. Dennoch muß ich mich auf ein Zusammentreffen mit der Gilde der Schutzleistenden vorbereiten. Mir schwant Übles.