Alcyon 6

9. - 12.5.02 Zeltplatz bei Landau/Südpfalz

Was für eine Landschaft! Auf dem Weg durch Alcyon wurde es zunehmend hügeliger und dennoch sumpfiger. Das soll mir mal einer erklären. Sollte das Wasser nicht an Bergen abfließen? Nunja, immerhin bekam ich noch nette Reisebegleitung. Die Ahdeiji, die ich in Flüsterhein bereits kennengelernt hatte, verschlug es ebenfalls in die Gegend. Manchmal ist die Welt klein. Wir kamen irgendwann an diesem kleinen Dorf an. Hab den Namen vergessen. Jedenfalls hatte sich da schon einiges Volk auf einem Lagerplatz gesammelt und wir stellten unsere Zelte dazu. Zu spät merkte ich, dass wir unterhalb eines Scaven-Baus gelagert hatten. Die Ratten sind mir unangenehm. Ungeziefer!
Aber sonst fanden sich noch einige bekannte Gesichter. Ian, Wölfchen, die Ringkrieger, Ritter Brax...
Immerhin fand ich im Wald reichlich Kräuter, um meinen langsam schrumpfenden Vorrat wieder aufzufrischen. Dabei entdeckten wir zunächst eine Kultstädte, wo irgendwelche Waldwesen Blumen unter einem Baum zurückgelassen hatten. Zu unserem Entsetzen befand sich in unmittelbarer Nähe auch ein Steinaltar mit jeder Menge Knochen, Gliedmaßen und dunklen Omen umgeben. Ich hätte beinahe schreiend den Wald verlassen.

In der kommenden Nacht hörte ich im Halbschlaf komische Geräusche, Gesänge und Lärm. Als wir am nächsten Morgen aufstanden, war mitten im Lager die Spitze eines Obelisken aus der Erde gewachsen. Wären richtige Magier in der Nähe gewesen, hätten sie sicher ein riesen Brimborium veranstaltet und das Ding wieder versenkt. So buddelten lediglich die Scaven einen Bewässerungsgraben drumherum und ließen es gut sein.

Apropos Bewässerungsgraben: Der Platz hatte sich ebenfalls über Nacht in eine Schlammwüste verwandelt. Ob daran der Obelisk schuld war, weiß niemand. Langer Rede kurzer Sinn: Wir bekamen nach und nach heraus, dass finstere Kultisten den Wald unsicher machten und ihnen die friedlichen Waldbewohner wenig entgegenzusetzen hatten.

Die Scaven, wie solle es anders sein, verbündeten sich mit den Mächten der Finsternis und zündeten noch das einzige Heiligtum der Waldbewohner an - die Lebenseiche.

Als gar nichts mehr helfen wollte, schlossen wir Naturverbundenen, die Schamanen, Hexen, Barden, Naturmagier und Verehrer der Großen Mutter zusammen und heilten den Baum. Das Ritual faszinierte mich. Soviel Kraft, soviel Energie, die da im Kreise floss... Im Anschluß daran gelang es uns tatsächlich, den Altar zu zerstören, der daneben dreute. Leider scheiterten wir kläglich an der zweiten schwarzen Kultstädte.
Erschöpft und wie leergepumpt schleppten wir uns in unsere Zelte.

Am nächsten Morgen spitze sich die Lage entgültig zu. An den Hängen lauerten Kultisten. So langsam wurde uns klar, dass das ganze Dorf von ihnen wimmelte. Der Obelisk im Lager war zu seiner vollen Größe gewachsen, ich mußte sogar ein Opfer verarzten, dem die Kultisten die Haut bei lebendigem Leibe vom Gesicht gezogen hatten. So etwas von Menschenhand verursacht habe ich noch nie gesehen!
Als klar wurde, dass das Böse nicht von alleine abziehen würde, und uns die Flucht nie gelingen konnte, wurde der Schamanen-Zirkel sich wieder seiner Macht bewußt. Nachher sagten alle übereinstimmend, so etwas hätten sie noch nicht erlebt. Fünfzehn in einem Kreis, haben wir dem Stein den Lebensraum abgeschnitten. Mit der Großen Mutter als Beistand sangen wir ihn mehr und mehr in die Enge, bis er tatsächlich kippte und zerbarst.

Völlig erschöpft taumelte ich zur Erde und habe von dem schlußendlichen Geplänkel nicht mehr viel mitbekommen. Als wir alle unsere Kräfte wieder gesammelt hatten, bin ich abgereist, so schnell ich eben packen konnte. Ich glaube nicht, dass dieses Land die Kriese bereits überstanden hat. Ich ziehe weiter, nach Osten. Wolln doch mal sehen, ob es da besser ist.